Geschichte

Der Strohballenbau begann in Nebraska (USA) in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, ungefähr gleichzeitig mit der Erfindung der Strohballenpresse. Die Pioniere dieser Bauweise hatten nicht genug Holz und Lehm, um ihre Häuser zu bauen. Das Material Stroh erschien ihnen als zuverlässiges und breit verfügbares Material. Die Strohballen verwendeten sie direkt zum Bau tragender Wände.

In Frankreich realisierte ein Herr Feuillette im Jahr 1921 für seine Tochter ein Haus als Holzständerkonstruktion mit Strohballen als Füllung in Montargis bei Paris. Die vorgeschlagene Lösung war damals auch eine Möglichkeit, das Land nach dem Krieg wieder aufzubauen. Das Haus Feuillette ist das älteste Strohballengebäude in Europa und befindet sich nach wie vor in einem einwandfreien Zustand. Es ist heute der Sitz der französischen Strohballen-Vereinigung. > RFCP

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Maison Feuillette, Montargis / F

Trotz dieser durchaus erfolgreichen Anfänge wurde Stroh als Baumaterial schon bald zugunsten anderer, zumeist industrieller Konstruktionsmaterialien aufgegeben. Erst im Jahre 1973 kam es zu einer Wiederentdeckung in der alternativen Szene Amerikas. Von diesem Zeitpunkt an wurden hier zahlreiche Tests und Experimente durchgeführt sowie Gebäude erstellt. Die Verbreitung der dabei gewonnenen Erkenntnisse erlaubte es, das Bauen mit Strohballen weiter zu entwickeln.

1994 erschien das Standardwerk “The Straw Bale House“ von Athena und Bill Steen, David Bainbridge und David Eisenberg. In der Folge entstanden auch viele Bauten, die über die Einfamilienhäuser der Pionierzeit hinausgingen.

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Inzwischen hat der Strohballenbau auch in Europa Fuß gefasst. Die grösste Verbreitung fand er bisher in Frankreich, wo bereits rund 3000 Gebäude mit Stroh erstellt wurden. Ausserdem wurde auch eine gemeinsame Europäische Ausbildung erarbeitet. In der Schweiz sorgt insbesondere der Architekt Werner Schmidt mit seinen Projekten in lasttragender Bauweise für Aufsehen. In der Westschweiz wurden Strohballen unter anderem erstmals beim Bau eines öffentlichen Gebäudes eingesetzt und aktuell für den Bau eines sechsgeschossigen Mehrfamilienhauses.

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